Ein neues Journal kann ausgesprochen einladend aussehen – bis man die erste leere Seite aufschlägt. Plötzlich scheint alles wichtig genug sein zu müssen, um dort hineinzukommen. Dabei beginnt Journaling oft genau an der entgegengesetzten Stelle: bei Dingen, die zunächst unscheinbar wirken. Ein Satz, den man behalten möchte. Eine Farbe. Ein Ort. Ein Ticket aus der Jackentasche. Etwas, über das man seit Tagen nachdenkt. Wer nach Journaling Ideen sucht, braucht deshalb nicht unbedingt ein großes Thema. Häufig reicht eine kleine Spur, der man folgen möchte.
Worüber kann man journalen?
Grundsätzlich kann ein Journal alles aufnehmen, was im eigenen Alltag auftaucht oder im Kopf hängen bleibt. Persönliche Erlebnisse gehören ebenso hinein wie Beobachtungen, Erinnerungen, Pläne, Bilder oder einzelne Wörter. Manche Menschen schreiben viel, andere arbeiten stärker mit Fotos, Zeichnungen, Collagen und Fundstücken. Ein Journal muss weder vollständig noch chronologisch sein. Es darf zwischen gestern und heute springen, eine Seite überspringen oder einen Gedanken Monate später wieder aufnehmen.
Journaling Ideen aus dem Alltag
Für interessante Journalseiten braucht es keine außergewöhnlichen Ereignisse. Gerade der Alltag liefert erstaunlich viel Material: ein Spaziergang, eine Begegnung, ein Satz aus einem Gespräch, der Blick aus dem Fenster oder etwas Merkwürdiges, das auf dem Küchentisch liegen geblieben ist. Solche Kleinigkeiten geraten normalerweise schnell in Vergessenheit. Im Journal bekommen sie einen Platz, ohne dadurch größer gemacht werden zu müssen, als sie waren. Manchmal ist eine Seite über einen gewöhnlichen Dienstag Jahre später gerade deshalb interessant.
Erinnerungen sammeln, bevor sie verschwinden
Erinnerungen müssen nicht ausführlich beschrieben werden. Ein Datum, ein Foto, wenige Worte oder ein kleines Stück Papier können genügen, um etwas wieder hervorzuholen. Vielleicht erinnert ein Kassenzettel an einen besonderen Nachmittag, eine handgeschriebene Notiz an einen Menschen oder ein getrocknetes Blatt an einen bestimmten Ort. Ein Journal kann solche Fragmente aufnehmen, bevor sie in einer Schublade verschwinden oder irgendwann weggeworfen werden. Dabei entsteht keine lückenlose Chronik, sondern eine sehr persönliche Auswahl dessen, was bleiben darf.
Reisen und Orte als Journal-Thema
Reisen gehören zu den naheliegenden Journaling Themen, weil unterwegs ohnehin vieles gesammelt wird. Tickets, Karten, Eintrittskarten, Verpackungen, kleine Prospekte oder Restaurantrechnungen können später zusammen mit Fotos und kurzen Notizen eine Reise wieder sichtbar machen. Interessant sind dabei nicht nur Sehenswürdigkeiten. Ein ungewöhnliches Frühstück, eine Straßenbahn, ein Hotelzimmer, ein Gespräch oder das Licht an einem bestimmten Nachmittag können genauso Teil eines Reisejournals werden. Gerade diese Nebensächlichkeiten erzählen später oft mehr als die klassischen Erinnerungsfotos.
Jahreszeiten beobachten
Wer regelmäßig journalen möchte, findet in den Jahreszeiten einen einfachen roten Faden. Im Frühling verändern sich Licht und Pflanzen, im Sommer die Farben und der Tagesrhythmus, im Herbst tauchen andere Materialien auf und im Winter wird vieles ruhiger. Blätter, Blüten, Farbnotizen, kleine Beobachtungen oder einzelne Sätze können über Monate hinweg gesammelt werden. Daraus entsteht kein Kalender, sondern eine persönliche Wahrnehmung des Jahres.
Bücher, Musik und Sätze, die bleiben
Manche Gedanken kommen über andere Menschen ins Journal. Ein Satz aus einem Buch kann mehrere Tage im Kopf bleiben, eine Liedzeile an einen bestimmten Moment erinnern oder ein einzelnes Wort plötzlich eine ganze Seite auslösen. Solche Fundstücke müssen nicht ausführlich kommentiert werden. Oft reicht es, sie mit einer kleinen eigenen Notiz, einem Bild oder einem Papierfragment zusammenzubringen. Bei fremden Texten sollte man dabei sparsam zitieren und eher festhalten, was sie im eigenen Denken ausgelöst haben.
Farben als Ausgangspunkt
Nicht jede Journal Idee muss mit einer Geschichte beginnen. Manchmal reicht eine Farbe. Ein bestimmtes Grün, ein ausgewaschenes Rosa oder eine Kombination, die einem unterwegs begegnet ist, kann zum Anlass werden, Materialien zu sammeln. Verpackungen, Papierstücke, Fotos oder kleine Zeichnungen finden über ihre Farbe zueinander. Das Journal wird dann weniger zum Tagebuch als zu einer Sammlung visueller Beobachtungen, ohne dass daraus eine gestalterische Übung werden muss.
Fundstücke mitnehmen
Tickets, Etiketten, Briefmarken, alte Papiere, Verpackungen, kleine Zettel oder eine besonders schöne Papiertüte haben oft keinen praktischen Wert und landen trotzdem nicht sofort im Müll. Ein Journal ist ein guter Ort für solche Dinge. Sie bringen bereits Typografie, Gebrauchsspuren, Farben und Erinnerungen mit. Manche Fundstücke wissen sofort, auf welche Seite sie gehören. Andere dürfen eine Weile zwischen den Seiten liegen, bis irgendwann ein Zusammenhang entsteht.
Kleine Listen, die nicht ordentlich sein müssen
Listen eignen sich hervorragend fürs Journaling, solange sie nicht nach Aufgabenverwaltung aussehen müssen. Dinge, die man gerade mag. Orte, an die man zurückkehren möchte. Wörter, die schön klingen. Gerichte aus einem Urlaub. Bücher, die noch gelesen werden wollen. Dinge, die man nicht mehr braucht. Eine solche Liste kann eine ganze Seite füllen oder nur zwischen Bildern und Papieren auftauchen. Gerade weil sie nicht vollständig sein muss, lässt sie sich jederzeit fortsetzen.
Fragen statt Antworten
Ein Journal muss nicht immer festhalten, was man bereits weiß. Interessanter kann es sein, Fragen aufzuschreiben, für die es noch keine Antwort gibt. Was beschäftigt mich gerade? Worauf freue ich mich? Was möchte ich nicht vergessen? Was würde ich gerne einmal ausprobieren? Welche Dinge ziehen meine Aufmerksamkeit immer wieder an? Solche Fragen können später unbeantwortet bleiben oder an ganz anderer Stelle wieder auftauchen. Das Journal darf schließlich auch Dinge aufbewahren, die noch nicht geklärt sind.
Journaling ohne tägliche Routine
Wer „Journaling“ hört, denkt schnell an eine tägliche Gewohnheit. Das muss nicht sein. Ein Journal funktioniert auch, wenn zwischen zwei Seiten Wochen liegen. Es darf Zeiten geben, in denen viel hineinkommt, und andere, in denen es geschlossen im Regal steht. Kreativität wird nicht automatisch besser, nur weil sie jeden Morgen um sieben Uhr stattfindet. Ein Journal soll sich dem eigenen Leben anpassen und nicht umgekehrt.
Wenn einem gar nichts einfällt
Eine leere Seite muss nicht sofort gefüllt werden. Statt nach einer großen Idee zu suchen, kann man mit etwas beginnen, das bereits vorhanden ist: einem Foto, einem Papierstück, einem Wort, einer Farbe oder einem Gegenstand aus der Tasche. Daraus entsteht vielleicht eine ganze Seite, vielleicht bleibt es bei diesem einen Element. Beides reicht. Ein Journal muss nicht ständig beweisen, dass etwas passiert.
Cloodia-Journals: ein Anfang, der weitergehen darf
In den Cloodia-Journals liegen zwischen den gestalteten Seiten thematisch passende Texte, Aufkleber, Papierreste und Scraps, die bewusst noch keinen endgültigen Platz bekommen haben. Sie können herausgenommen, verschoben, kombiniert und später dort eingeklebt werden, wo sie sich richtig anfühlen. Ein eigenes Foto kann dazukommen, ein Ticket von einer Reise oder ein Satz, der erst Monate später gefunden wird. Das Journal bringt also bereits eine Welt mit, lässt aber genügend freie Stellen für das, was sein zukünftiger Besitzer selbst hineintragen möchte.
Vielleicht braucht es gar kein Thema
Die Suche nach Journal Ideen kann hilfreich sein, sie muss aber nicht dazu führen, dass jedes Journal ein Konzept bekommt. Manche Bücher entwickeln erst beim Benutzen eine Richtung. Wiederkehrende Farben tauchen auf, bestimmte Themen kommen öfter vor und Materialien beginnen sich zu ähneln. Ein Zusammenhang kann entstehen, ohne vorher geplant worden zu sein. Vielleicht ist gerade das eine der angenehmsten Möglichkeiten beim Journaling: Man muss nicht wissen, wohin es führt, bevor man anfängt.
Zum Weiterstöbern
Wer noch mehr über Art Journaling erfahren möchte, findet im Magazin auch den Beitrag „Art Journal – was ist das eigentlich?“. In den Cloodia-Galerien lassen sich außerdem verschiedene Journals und Papierarbeiten entdecken, bei denen Texte, Fundstücke und Illustrationen immer wieder neue Verbindungen eingehen.